Stützpunkttraining mit Gerd Enders im Budokan Regensburg
Die Aufgaben eines Journalisten sind nicht einfach. Einerseits erwartet der
Leser einen Tatsachenbericht, hofft, einen Blick auf die Dinge zu erhaschen,
"wie sie sind." Andererseits sieht sich der Schreiber auch stets
verpflichtet, seine eigene Sichtweise deutlich zu machen, allerdings so, dass
klar ist, was sein Werk ist, und was die berichteten Fakten sind. Die Aufgabe
wird umso schwieriger, je näher der Berichtende den Dingen steht. Diesmal also
eher schwierig. Denn schließlich darf hier ein Schüler von seinem eigenen
Meister berichten, genauer, vom Stützpunktraining am 18.03.2011, das Gerd
Enders, mithin wohlbekannter Ju-Jutsu-Lehrer aus dem Budokan Regensburg, in
seinem eigenen Dojo zur Freude eines guten Dutzend Neugieriger und Lernwilliger
abhielt.
Wohlbekannt ist auch, dass Gerd sich nicht gern mit langer Gymnastik aufhält,
sondern schnell zum eigentlichen Thema kommt, wenngleich er es jedes Mal
geschickt versteht, geeignete Bewegungsformen für den folgenden Unterricht als
Vorprogramm üben zu lassen, so dass die Leiber der Übenden bei Beginn des
eigentlichen Themas, Sicheln!, bereits heiß und gierig auf Training
waren.
So folgte, was die Anwesenden eigentlich auch erwartet hatten; ein Training rund
um Innen- und Außensicheln, groß wie klein, bei dem Gerd wieder einmal –
ehrlich gesagt ja jedes Mal – zeigte, dass er sich beziehungsweise uns
eigentlich problemlos einen Abend, wohl auch ein ganzes Wochenende mit einer der
genannten Techniken beschäftigen könnte. Ohne groß mit großen Dingen glänzen
zu wollen, führte er die Übenden - schließlich vom 5. Kyu bis zum 5. Dan! -
jeweils bis zu dem Punkt, an dem sie erkennen konnten, dass hier noch viel
Neues, und viel zu Übendes wartete. Genau das ist es ja, was man sich von einem
Training mit einem Budo-Urgestein erhofft: an seine eigenen Grenzen geführt
werden, und einen Horizont eröffnet bekommen, wohin die (technische) Reise
gehen mag. Wunderbar! Üben bis zum Umfallen, Vollendung in Aussicht, doch nie
zu erreichen...
Besonders beeindruckt zeigt sich der Autor dieser Zeilen davon, wie es Gerd ein
jedes Mal gelingt, seine Techniken so spielerisch, leicht und locker und ohne
Einsatz roher Gewalt durchzuführen. So locker, dass man fällt, ohne zu wissen,
warum. Dahin kann es also gehen. Und kein Wunder, dass auch die höchstgraduierten
Teilnehmer des Stützpunktes ordentlich schwitzten. Nicht unbedingt vor
Anstrengung, eher vor Verzweiflung, weil es halt einfach nicht so locker werden
wollte. Und wenn dann schließlich am Abend EINE Technik mal so federleicht wie
beim Meister kam, dann war die Verblüffung und die Freude groß – das also
kann Ju-Jutsu sein! Bevor der Autor also nun den x-ten Aufenthalt beim
Stammitaliener nach dem Training erwähnt, sei ihm erlaubt, die geneigten Leser
um Verzeihung zu bitten, dass so wenig Fakten und so viel vom Schreiber zu lesen
war. Aber zu groß war die Freude am Üben, zu groß die Dankbarkeit, einen
solchen Lehrer erleben zu dürfen. Ein Meister eben.
Dr. Florian Seidl
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